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Brasilien - Teil 1: Von Paranaguá zur Ilha Santa Catarina

Der erste Teil meiner Radtour durch den südlichen Teil Brasiliens, die Bundesstaaten Paraná und Santa Catarina. Danach geht es weiter nach Süden durch Rio Grande do Sul bis Uruguay. Zusätzlich zu den Fotos hier auf der Seite gibt es noch weitere Fotos von diesem Abschnitt.

Paranaguá - Porto de Cima

51 km, 250 hm

Den halben Weg kenne ich ja schon, nachdem ich gestern dort abgefangen wurde (siehe Anfahrt mit dem Containerschiff). Deshalb habe ich auch keine Bedenken mehr auf dem Standstreifen der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstrasse zu fahren. Vor Morretes kann ich dann auf eine Landstrasse wechseln. Die Bundesstrassen sind mit BR gekennzeichnet, die Landstrassen nach dem Kürzel des Bundesstaates. Hier also mit PR für Paraná. Später mit SC (Santa Catarina) und RS (Rio Grande do Sul). Über den Zustand der Strassen (asphaltiert, Standstreifen vorhanden, …) findet man auch bei Wikipedia Informationen, zum Beispiel über die BR-101.

Morretes hat eine schöne Uferpromenade am Fluss. Es ist Sonntag und dort findet ein Markt statt. Nachdem ich dort Picknick gemacht habe, fahre ich noch bis Porto de Cima, wo es entlang des Rio Nhundiaquara einige Unterkünfte gibt. Von dem, was meine Gastgeberin in der netten Pousada erzählt, verstehe ich nicht viel. Ihre Taktik ist es, einfach noch mehr und noch schneller zu erzählen, wenn ich nachfrage. Irgendwie kann ich dann aber eine Abendbrot bestellen, dass mir dann auch pünktlich zubereitet wird.

Porto de Cima - Curitiba

78 km, 1450 hm

An dem guten und mehr als ausreichendem Frühstücksbüffet kann ich mich für die Estrada da Graciosa stärken. Dieses Strässchen führt hinauf auf die Serra do Mar. Es ist ein guter Tipp des Lateinamerika BikeBuchs, diese Route zu benutzen. LKWs fahren dort kaum, hauptsächlich wohl Touristen. Es gibt immer wieder Restaurants und Aussichtspunkte, die mir leider wegen des diesigen Wetters nicht viel nützen.

Nachdem ich oben angelangt bin auf etwas über 900 Meter Höhe, fahre ich weiter in das Zentrum von Curitiba. Erst noch auf Landstrasse, dann durch Vororte. Näher am Zentrum beginnt dann ein Radweg. Das ist schon eine gute Sache. An kritischen Punkten allerdings ist er auch einfach mal unterbrochen und man muss sehen, wie man weiterkommt.

In Curitiba bleibe ich dann gleich zwei Tage, auch um die angekündigten Regentage auszusitzen. Ich besuche das Museum Oscar Niemeyer, das wie eine Auge geformt ist. Im Zentrum ist ein Wintermarkt, bei dem es Glühwein (bei 15 Grad) und Pinhåo gibt. Ein Gericht, das ein bisschen wie Miesmuscheln aussieht, in Wirklichkeit aber aus dem Samen eines Nadelbaums besteht.

Curitiba - Sitio Cambará

94 km, 1250 hm

Der Unterschied könnte nicht größer sein. Heute Morgen war ich noch im Zentrum einer Großstadt, am Abend bin ich auf einem kleinen Pferdehof. Am Wochenende ist hier auch Betrieb, heute, am Donnerstag, bin ich der einzige Gast. Als Abendbrot gab es das, was die Gastgeber auch hatten: Kotelett, Kartoffeln, Zucchini, Reis, Bohnen. Mein Tagebuch schreibe ich mehr oder weniger im Wohnzimmer. Die Familie lebt hier auf dem Gelände in mehreren Häusern. Die Oma spricht deutsch, weil deren Oma mal aus Deutschland eingewandert ist. Der Rest der Familie aber nicht mehr. Ehemals gab es auch Milchwirtschaft, jetzt Pferde.

Angefangen hat der Tag mit Sonnenschein. Erst bin ich durch die Fußgängerzone vom Hotel zum Radweg, dann auf Radwegen raus aus der Stadt auf die Bundesstrasse. Die musste ich einige Kilometer nutzen, danach konnte ich auf Nebenstrecken ausweichen. Die waren teilweise asphaltiert, teilweise nicht, aber gut befestigt. Obwohl ich immer noch in der Serra do Mar bin, und die Höhe ungefähr wie heute morgen bei 900 Metern liegt, habe ich heute ohne längere Anstiege 1250 Höhenmeter gesammelt. Das Gelände ist wellig, manche Aussichten erinnern an das Auenland.

Gefunden habe ich die Strecke über Wikiloc. In dem Bereich hier um Campo Alegro gibt es sogar einen Fahrradrundweg, den Circuito das Auracarias. Ausgeschildert ist der nicht, aber man kann sich die GPS-Daten herunterladen. In der Gegend, aber in einer anderen Richtung, hätte es auch noch eine MTB Strecke gegeben (Estrada Guaricana & Serra Castelhanos - YouTube).

Araukarien sind übrigens die Nadelbäume, aus deren Zapfen man den Pinhåo herstellt.

Sitio Cambara - Parque das Aves

52 km,  890 hm

Die Lage heute Abend ist insofern wie gestern, als ich wieder der einzige Gast bin, diesmal im Parque das Aves. Das ist ein Vogelpark mit angeschlossenem Camping und Restaurant. Da bereitet die (wieder deutsch sprechende) Köchin gerade mein Abendessen, während ich schon mal ein Antarctica probiere.

Der Tag war soweit sehr sonnig. Jetzt gewittert es aber, warm ist es trotzdem noch. Das war heute die Etappe der Araucarias-Runde mit dem schwierigsten Anstieg. Wie gut, dass ich sie andersherum gefahren bin. D.h. ich hatte eine schöne Abfahrt in die Küstenebene, ca 700 Meter tiefer als gestern. Trotzdem durfte ich heute auch noch fast 900 Höhenmeter hochkurbeln.

Jetzt ist gerade der Strom ausgefallen, wahrscheinlich ist irgendwo ein Blitz eingeschlagen. Es brutzelt jedenfalls weiter aus der Küche. Dank Generator geht auch wieder das Licht an. Es ist wahrscheinlich nicht der erste Stromausfall.

Parque das Aves - Pomerode

70 km, 1200 hm

Nach dem Aufstehen mache ich dann gleich eine Runde durch den Park. Es gibt einen kurzen Rundweg mit Infotafel. Danach gibt es Frühstück und ich treffe noch den deutsch sprechenden Besitzer. Der erzählt mir einiges über die Geschichte des Parks und dass er schon seit vielen Jahren Überzeugungsarbeit für den Naturschutz leistet. Sein Bruder leitet ein Bauvorhaben für ein Wasserkraftwerk. Das scheint hier kein Widerspruch. Eine deutsche Firma hat dafür einen Tunnel gebaut, der heute eingeweiht wird. Das Schutzgebiet umfasst die Hänge zwischen der Küste und der höher gelegenen Ebene, wo sich ursprünglicher Wald bewahren konnte. In der Gegend werden aber auch Bananen angebaut.

An dem Tunnel fahre ich vorbei weiter nach Corupá, wo ich mich gleich beim Bäcker eindecke, denn bei dem restlichen Teil treffe ich keine größeren Ortschaften mehr. Ich frage nach pao integral, aber das schwarze Brot gibt es heute leider nicht, wie mir Verkäuferin auf deutsch mitteilt.

Bis Corupá bin ich noch auf der Auraucarias-Route gefahren, kurz vor Pomerode treffe ich auf die nächste Radrunde, den Circuito Vale Europeu. Diese ist sogar beschildert. Insbesondere der letzte Teil im Tal abwärts ist sehr idyllisch. Es ist noch angenehm warm und ein friedlicher Samstagnachmittag, wo die Leute auf der Veranda sitzen oder im Garten arbeiten. Es war fast den ganzen Tag Sonne und teilweise schon - für mich - sommerlich heiss. Hier ist natürlich Winter und im brasilianischen Sommer würde ich hier wahrscheinlich doch lieber am Strand liegen. Wobei ein bisschen längere Tage nicht schaden würden. Aber so ist es auch gut, nach den 70 km fast ohne Asphalt, schon Halt machen zu können. Und noch Zeit genug zu haben, die ganze Palette der hausgemachten Biere der Schornstein-Brauerei zu probieren.

Pomerode - Brusque

91 km, 1050 hm

Mittags war ich in Blumenau. Mit dem Ortsnamen assoziierte ich blühende Parklandschaften. Weit gefehlt: der Namensgeber ist ein Herr Blumenau. Die Stadt ist mir schon etwas zu groß, um noch angenehm mit dem Fahrrad zu erkunden zu sein. Es ging kilometerweit durch Vororte. Gut, dass ich am morgen noch einen kleinen Umweg gemacht habe, um eine landschaftlich schöne Strecke zu fahren. Morgens hatte es noch gewittert aber passenderweise hörte das genau nach dem Frühstück auf und danach wurde es sonnig. Zufällig bin ich in Indaial auf ein gut ausgestattetes Fahrradgeschäft gestossen, wo ich mir das beim Spazierengehen verlorene Cleat für die Schuhe nachkaufen konnte.

Sonst hatte ich in Blumenau nochmal auf einen deutschen Bäcker gehofft. Das war Fehlanzeige, aber es gab doch immerhin Mehrkornbrot. Am Nachmittag steht dann noch die unspektakuläre Weiterfahrt nach Brusque an. Ein Ort, den man auch auslassen kann. Er liegt aber für mich auf der Hälfte des Wegs nach Florianópolis.

Brusque - Florianópolis

95 km, 850 hm

Auf einem Radweg kann ich entgegen dem morgendlichen Pendelverkehr aus der Stadt fahren. Dann geht es auf einem ungeteerten Nebenweg (mit angenehmerer Steigung als im Vale Europeo) an Nova Italia vorbei. Der Name ist vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig für die kleine Ansammlung von Häusern. Dann geht es weiter durch Weideland. Manchmal asphaltiert, manchmal nicht. Genau zum richtigen Zeitpunkt treffe ich ein Örtchen mit einem guten Bäcker (Panificadora). Über eine Fussgängerbrücke kann ich danach einen Fluss überqueren. Hier gibt es viele kleine Manufakturen für gebrannte Ziegelsteine. An der Küste angekommen, gewittert es kurz. Ich kann die Zeit nutzen für ein Mittagessen unter dem Vordach einer Kirche. In Florianópolis fahre ich eine kurzes Stück Strandpromenade, dann über die Brücke, wo es einen Radweg unterhalb der Auto-Fahrbahn gibt. Auf der anderen Seite erreiche ich schnell das Zentrum. Dafür muss ich die Straße über ein Fußgängerbrücke überqueren und am Busbahnhof vorbei. Die Gegend kommt mir nicht geheuer vor. Am nächsten Tag steht dort auch ein Polizeiwagen. Und während ich eine Schicht Kleidung ablege, warnt mich eine Passantin, dort nicht stehen zu bleiben.

Florianopolis - Sitio Dos Tucanos

36 km, 250 hm

Nach dem Besuch des Stadtmuseums mache ich mich auf zur heutigen kurzen Etappe. Die führt erstmal auf einem Radweg am Ufer entlang. Dann versuche ich mich an einer Umgehung der Strasse nach Campeche. Dafür möchte ich am Flughafen vorbei nach Tapera. Leider führt mich zum ersten Mal die Karte in die Irre: ein dort verzeichneter Weg am Flughafen vorbei mag zwar existieren, führt dann aber durch abgesperrtes Militärgelände.

Die Umfahrung war eigentlich auch gar nicht nötig, weil an der Strasse auch ein Fahrradstreifen existiert. Der war nur leider wieder an einer kritischen Stelle ausgesetzt.

Nach Campeche gibt es einen Aussichtspunkt an einer Jesuitenmission. Dort mache ich halt, um nach Walen in der Bucht auszuschauen. Die werde ich dann aber erst in der nächsten Woche weiter südlich antreffen. In starkem Regen fahre ich die letzten Kilometer zum Sitio Dos Tucanos. Dort fühle ich mich in der familiären Atmosphäre sehr wohl und nutze die Hängematte vor dem Gemeinschaftsraum ausgiebig. Gerta, die Gastgeberin, hilft mir auch bei der Weiterplanung. Ihre Enkel sind zu Besuch und ich werde zum Abendbrot unkompliziert mit versorgt.

Der Name der Pousada ist nicht unbegründet: ganz in der Nähe haben mehrere Tukane ihren Lieblingsbaum und sind dort zu hören und zu sehen. An einem Tag mache ich eine Wanderung zur Lagoinho do Leste, einem Strand, der nur zu Fuß über Pfade zu erreichen ist.