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Ecuador-Peru - Teil 1: Von Quito nach Cuenca

Im ersten Teil geht es nach einwöchiger Eingewöhnungsphase von Quito durch die Straße der Vulkane Richtung Süden bis nach Cuenca. Wegen des starken Verkehrs meide ich die Panamericana zunächst, freunde mich aber ab Ambato mit ihr an.

Im nächsten Teil geht es dann weiter bis zur peruanischen Grenze.

Quito - Secret Garden

In Quito hatte ich genug Zeit, um eine verkehrsgünstige Route aus der Stadt zu planen. Es gibt genügend Radfahrer, die ihre Tracks auf wikiloc.com teilen. Ich finde einen Track, der zuerst nach Sanquolqui führt, von wo man dann recht einfach der alten Straße der Vulkane in den Cotopaxi Nationalpark folgen kann.

Ich breche früh auf, um dem morgendlichen Verkehrschaos zu entgehen. Meine “Gast-Oma” verabschiedet mich in der Morgendämmerung. Zunächst geht es 500 Höhenmeter bergab um zum Beginn des Tracks zu kommen. Schnell bin ich aus der Stadt heraus und es geht in einem Tal gemütlich aufwärts. Teilweise über asphaltierte Dorfstraßen, teilweise über gute Feldwege. Vor einem Wasserkraftwerk endet die Straße und ich muss einen Zaun überqueren. Erst nach einiger Zeit passiere ich den zugehörigen Eingang - von innen und mit freundlichem Gruß des Wachmanns.

Im Park von Sangolqui ist gerade Frühsport mit Salsarhythmen. Danach beginnt die "Avenida de los Volcanes". Der Weg ist größtenteils gepflastert und führt an einem Flusslauf entlang auf die Ebene des Cotopaxi Nationalparks auf ca. 3500 Metern Höhe. Ich mache Mittagspause an einer kleinen Hütte am Fluss, von wo auch zwei Wanderwege starten.

Die Vulkane verstecken sich in den Wolken. Ich übernachte im Zelt neben dem Hauptgebäude des Secret Garden.

Secret Garden

Der Secret Garden bietet einen kostenlosen Ausflug zur Erkundung der Gegend an. Der australische Volontär führt mich zuerst zu einem Wasserfall. Danach kann ich ihn noch weiter begleiten, weil er heute den Wasserzugang weiter oberhalb kontrollieren muss. Der Bach wird an einem Punkt zwischen drei Nachbarn aufgeteilt. Zwei Kanäle führen das Wasser zu den Nachbarn, der Secret Garden bekommt das Wasser aus dem Bach. Wir finden den Bachlauf mit zwei Säcken versperrt. Die werden etwas zurechtgerückt, und schon stimmt die Verteilung wieder. Auf dem Rückweg ist der Wasserstand unter dem Wasserfall schon gestiegen.

Der Australier lebt schon einige Jahre in Ecuador und kann einiges über die Gegend erzählen. Mich beeindruckt insbesondere, dass die Böden so fruchtbar sind, dass sie quasi durchgehend bestellt werden können. Er berichtet von drei Kartoffelernten pro Jahr, zweifelt aber die Nachhaltigkeit an. Ferner berichtet er über Brände, die im letzten Jahr wegen Wassermangel nicht gelöscht werden konnten. Und natürlich über den Cotopaxi und dessen Ausbrüche. Das Instituto Geofísico bietet übrigens aktuelle Informationen über Vulkantätigkeiten und Erdbeben.

Nachmittags klart es dann erstmals auf und der Cotopaxi wird sichtbar. Eine Gruppe war auf dem Rumiñahui und hat drei Kondore gesehen. Vor den Kondoren hat der argentinische Volontär des Hostels auch das Kälbchen gerettet, das jetzt mit im Hostel lebt.

Secret Garden - Ambato

Die Leute vom Secret Garden machen mir ein feines Frühstück schon um 5:30 Uhr. Ich bin zu früh am Parkeingang und der Wärter lässt mich tatsächlich zwanzig Minuten bis zur Öffnungszeit warten. Dieser Eingang des Parks ist weniger frequentiert, laut Auskunft ungefähr 20 Personen pro Tag. Am anderen Eingang sind es mehrere Hundert. Es wird windiger und nieselt leicht. Das scheint nicht untypisch, die Vegetation ist karg und beschränkt sich stellenweise auf Flechten. Auch heute ist der Cotopaxi nicht sichtbar.

Der Hauptweg durch den Park ist eine breite Piste, die später dann sogar asphaltiert ist mit superbreiten Radwegen. Entgegen kommen Busse und Tourenanbieter mit Fahrrädern auf dem Dach. Bis Latacunga fahre ich parallel zur Panamericana auf Forstwegen. Hinter Latacunga muss ich aber zwei abschreckende Kilometer auf der Panamericana fahren, bevor ich wieder auf eine Nebenstrecke ausweichen kann. Die ist zunächst gepflastert, die letzten Kilometer vor Ambato dann asphaltiert.

Ambato - Salinas

Von Ambato aus folge ich der Panamericana Norte (E491), die am Chimborazo vorbei zur Küste führt. Es ist zunächst noch relativ viel Verkehr, ich finde aber keine Umgehung. Es gibt zwar asphaltierte Abzweigungen. Die führen aber nur zu einzelnen Siedlungen, die untereinander nicht verbunden sind. Dieser Artikel beschreibt das Straßennetz in Ecuador etwa genauer. Kurz vor El Arenal passiere ich die Einmündung einer Straße, die vielleicht doch eine Alternative für diese Route wäre und die von Miraflores (Ambato) nach El Arena führen müsste.

Ein Stand am Straßenrand verlockt zu einer frittierten Banane. Das halbe Schwein, das daneben hängt, ist mir am Morgen noch zu schwer. Später wird der Verkehr sehr entspannt und ich kann die Aussicht auf den Chimborazo genießen. Eine Foto-Session mit Pferd misslingt. Es will nicht in die richtige Richtung schauen und ich habe keinen Apfel um das Pferd zu ködern. Und eine Banane kann selbst ein ecuadorianisches Pferd nicht verlocken.

Mit zunehmender Höhe wird der Wind stärker, wobei er insgesamt eher schiebt. In El Arenal, das nicht mehr ist als eine Bushaltestelle, und die N. Eisele-Hein im Lateinamerika BikeBuch so schön beschreibt, entscheide ich mich für die Weiterfahrt bis Salinas. In der Abenddämmerung gibt es sehenswerte Ausblicke zu den in Wolken gehüllten Gebirgen in Richtung der Küste. Bereits im Dunkeln habe ich Glück bei der Unterkunftssuche in Salinas, wo ich direkt am Ortseingang neben der Pizzeria ein Zimmer finde.

Salinas

Salinas oder genauer Salinas de Guaranda ist ein Vorzeigedörfchen, in dem ein italienischer Pfarrer viele kleine Projekte angestoßen hat, die den Bewohnern heute einen Lebensunterhalt ermöglichen. Diese Projekte werden den Gästen, darunter auch viele Studenten, gerne gezeigt. Ich bekomme eine Exklusivführung von einem Schüler, der sich mit den Führungen etwas dazu verdient.

Er zeigt mir eine Schokoladenmanufaktur, eine Werkstatt, in der Fußbälle produziert werden, einige Läden und die mit schweizerischer Hilfe entstandene Käserei. Den Namen hat das Dorf durch die Salzgewinnung bekommen. Salzhaltiges Wasser tritt hier an die Oberfläche, das früher auf Holzfeuern verkocht wurde. Heute wird das Handwerk aus Tradition aufrechterhalten, das Salz schlecken die Kühe.

In der Bäckerei vergisst die Verkäuferin das Rückgeld. Die Mimik und das erstaunte “Oh”, als ich sie darauf aufmerksam mache, zeugen von großem schauspielerischem Talent.

Von seinem Landsmann angezogen, betreibt heute ein Italiener eine Pizzeria im Ort. Der hat als Volontär gearbeitet, geheiratet und ist jetzt seit zehn Jahren dort. Als Volontär hat er sich im Dorf mit der Herstellung von Öl beschäftigt. Die Pizza ist gut und so reichlich, dass ich mir noch einen Rest einpacken lasse.

Salinas - Cajabamba

Der Betreiber der Unterkunft kocht mir schon früh morgens Kaffeewasser. Ich fahre einen Feldweg an einem Bachlauf hinauf. An einer kleinen Siedlung komme ich wieder auf die Piste, auf der ich vorgestern Abend nach Salinas abgefahren bin. Es ist ein wunderbarer, sonniger Sonntagvormittag. Ab El Arenal ist die Straße asphaltiert und führt um den Chimborazo herum.

Im Windschatten des Chimborazo klettere ich zusammen mit vielen motorisierten Sonntagsausflüglern die Serpentinen zur Schutzhütte auf 4800 m hinauf. Leider wird die Hütte gerade renoviert und meine Träume von Kuchen und Kaffee zerplatzen. Bei angenehmen Temperaturen und Windstille mache ich stattdessen ein Picknick.

Einige haben ihre Mountainbikes mit den Autos hochfahren lassen und freuen sich auf die Abfahrt bis Ambato. Auch für mich geht es 1700 Höhenmeter abwärts bis ich kurz vor Cajabamba auf die Panamericana treffe. Hier hat sie angenehmes Verkehrsaufkommen. In Cajabamba bin ich noch so früh, dass ich die Weiterfahrt beginne. Am Nahe gelegenen See überlege ich es mir aber anders, umfahre ihn und kehre nach Cajabamba zurück. Dort übernachte ich im nagelneuen Hotel, das mit $15 aber auch nicht günstig ist.

Cajabamba - Chunchi

Heute finde ich endlich raus, wie ich dasselbe Riesen-Frühstück wie die Ecuadorianer bekomme: Ich muss ein “desayuno completo” bestellen. Das bedeutet Kaffee, Saft, trockene Brötchen und dann eine Hauptmahlzeit mit Reis. Letzteres meistens mit Huhn oder anderem Fleisch. Man kann auch versuchen Gemüse oder Bratbananen dazuzubekommen.

Es geht wieder am See vorbei, danach ist die Strecke bis zum nächsten Ort weitgehend eben, eine Bahnlinie verläuft parallel. Rätselhafterweise ist mein Kabel von der Lampe zum Dynamo durchtrennt. Unterwegs halte ich an einer Autowerkstatt. Ein Mechaniker repariert geschickt das Kabel, acht Leute stehen drum herum und schauen.

In Alausí bin ich zur Mittagszeit. Es gibt eine schöne Allee im Zentrum. Ich kann neben dem Fahrrad draußen sitzen und mich im Schatten vor der stechenden Mittagssonne schützen. Nachmittags geht es aus Alausí einige Serpentinen hoch. Nach dem Pass blickt man in ein beeindruckendes Tal. Auf der am Hang klebenden Panamericana fahre ich noch bis Chunchi. Es wird bewölkt und gleich deutlicher kühler.

Chunchi - Ingapirka

Wie gestern gelernt, fange ich den Tag wieder mit einem desayuno completo an. Im Restaurant arbeitet die gelangweilteste Bedienung überhaupt, die eigentlich nur bei den Kellnern im Frankfurt Sachsenhausen in die Lehre gegangen sein kann. Die Einheimischen behandelt sie genauso wie mich.

Die Fahrt heute führt weiter auf der Panamericana, auf der spärlicher Verkehr herrscht. Wettertechnisch ist es zweigeteilt: Bis mittags ist es sonnig und die Straße führt durch eine tolle Landschaft. Zurecht fordert ein Schild zum Genuss der Landschaft auf ("Disfrute el paisaje andino”). Nach dem Mittagspicknick am ersten Pass wird es dann bewölkt. Es liegen immer ein paar Tropfen in der Luft und stellenweise ist es sehr windig. Ich muss sogar ein Stück schieben, weil der böige Wind unberechenbar ist und mich fast umwirft.

Nach Zhud (Abzweigung E40) nimmt der Verkehr zu und die Landschaft ist besiedelter. In Ingapirka bekomme ich eine Cabaña mit Blick auf die Inka Ruinen. Der Besitzer gießt gerade die Betonstufen neu. Ich setzte mich zu den Kühen auf die Wiese nebenan und genieße erstmal den Blick bei einem Feierabendbier. Im Eintritt von $6 für das archäologische Gelände ist auch gleich noch eine Führung enthalten. Da ich der einzige Teilnehmer bin, kann ich sie gleich als interaktiven Sprachkurs verwenden.

Ingapirka - Cuenca

Zu den Cabañas gehört auch noch ein Restaurant, in dem ich frühstücke, während die Chefin ihr Kind schulfertig macht. Vor der Weiterfahrt schaue ich mir noch das Indianergesicht im Fels an. Ich fahre dann auf Nebenstrecken über gute Feldwege bis Azogues weiter. In einer Ortschaft begleiten mich Schulkinder in Uniform und Hut ein Stückchen. Nach der Ortschaft passiere ich zwei größere Sumpfgebiete bevor es auf einer langen Abfahrt bis Azogues hinunter geht.

Dort mache ich im Park Mittagspause, wo es von einer Eisdiele Torte und Cappuccino gibt. Dazu eine Chirimoya. Der Park ist wie so oft sehr schön hergerichtet. Nach einiger Zeit sprechen mich zwei Betrunkene an. Sie scheinen zwar harmlos, aber vorsichtshalber mache ich mich aus dem Staub. Von Azogues bis Cuenca führt eine Autobahn. Glücklicherweise kann ich auf der alten Panamericana einigermaßen bequem bis Cuenca kommen. Da gönne ich mir zwei Übernachtungen im Gran Hotel ($25/Nacht) und Wäscheservice.

Zur Übersicht oder zum nächsten Teil.

gekuerzt-Quito-Cuenca.gpx (625 km, 12400 hm , 7 Tage)