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Ecuador-Peru - Teil 2: Von Cuenca nach Macará

Hier im südlichen Teil von Ecuador fühle ich mich auf der Panamericana wohler. Der Verkehr ist so spärlich, dass er nicht mehr stört. Es geht munter rauf und runter, dabei immer mehr Höhe verlierend. Ich kann zwei Naturparks mit sehr unterschiedlichem Charakter besuchen. In Vilcabamba mache ich einige Tage halt und fahre von dort auf einer Nebenstrecke bis zur Grenze nach Peru, wo es dann im nächsten Teil im Küstenbereich weitergeht.

Cuenca

Ich nehme mir heute frei und besuche zwei Museen, das Museo de lasCulturas Aborígines und dann das Museo del Banco Central. Anschließend gehe ich auf den zentralen Markt, wo es eine riesige Auswahl an Essen gibt. Viele Stände reihen sich aneinander und auf kleinstem Raum zaubern die Anbieter ihr Angebot. Ich bestelle schließlich bei zwei Köchinnen von der Küste, die die “Cocina Costañita” betreiben.

Abends begegnet mir zufällig eine nächtliche Radtour durch die Stadt, an der mehrere Hundert Radler teilnehmen.

Cuenca - Oña

Cuenca ist die drittgrößte Stadt in Ecuador mit zweihunderttausend Einwohnern. Dementsprechend ist der Verkehr, der aber nach Süden auf der Panamericana schnell abnimmt. Bis zur Abzweigung der E59 ist der Randstreifen sogar als Radweg ausgewiesen, den an diesem Morgen auch noch ein Rennradfahrer nutzt. Im Stadtgewühl, wo Radwege wirklich nützen würden, gibt es natürlich keine. Immerhin, es hat symbolischen Wert. Ein Plakat (“Al que irrespeta al ciclisma, párale el carro”, ungefähr “Stoppt denen das Auto, die den Radfahrer nicht respektieren”) neben der Straße und die Teilnehmerzahl an der gestrigen Radtour geben weitere Hinweise darauf, dass das Radfahren hier wichtiger wird.

Die Panamericana ist hier relativ frisch asphaltiert, ich vermute, dass sie um 2009 neu gemacht wurde, denn das Datum habe ich auf einer Betonplatte gesehen. Eine Marktfrau hatte mir berichtet, dass die Fahrtzeit von Cuenca bis Loja von fünf bis sechs Stunden auf zwei Stunden reduziert worden ist. An einigen Stellen stehen hier Öfen neben der Straße, wo offensichtlich Backsteine hergestellt werden.

Im Tal vor Oña geht es auf unter 2000 Meter runter. Es weht ein warmer Wind und es wachsen Kakteen und die Vegetation kommt mir fast wüstenartig vor. Die Übernachtung in Oña ist mit $5 die günstigste auf der gesamten Tour. Es ist entsprechend rustikal. Der Nachbar lässt mich am Nachmittag rein, die Chefin kommt erst gegen acht. Dafür ist die Pension direkt neben dem sehr gepflegten Dorfplatz, der am Abend zusätzlich bunt beleuchtet ist. Zum Abendbrot gibt es Empanadas mit Käse, die in einem liebevoll hergerichteten fahrbaren Stand direkt gegenüber verkauft werden.

Oña - Loja

Es geht weiter auf der Panamericana. Es ist Samstag und wenig Verkehr. Zunächst ist es weiter wüstenartig, dann kommt wieder Weidewirtschaft. Die Indígenas in Saragura leben davon. In der Ortschaft sehe ich viele davon mit ihren Trachten auf dem Markt. Hier mache ich Pause, es gibt Humita, Tamal, Kaffee und Erdbeersaft.

Am Nachmittag wechseln sich Sonne und Regen ab. Teilweise liegen die Berge noch in den Wolken, während die Sonne einzelne Flecken bescheint, und so für stimmungsvolle Bilder sorgt. In Loja finde ich das anvisierte Hotel leider nicht. Ich nehme das Nächstbeste, fühle mich aber nicht besonders wohl. Am Abend werden die Tische aus dem Innenhof entfernt und der Raum als Parkplatz benutzt.

Loja - Podocarpus

Nach gemütlichem Sonntagsfrühstück mit einer Humita mit extra Käse und einem Quimbolito, geht es heute nur zum Nahe gelegenen Nationalpark Podocarpus. Der Eintritt zum Park ist frei, aber man muss sich am Eingang registrieren. Der Wärter Enrique ist sehr nett und erklärt mir auch gleich noch die Weiterfahrt von Vilcabamba nach Macará. Es ist fast nichts los im Park, mir begegnen nur zwei oder drei Autos. Am Ende der Straße befindet sich dann ein Refugio, wo mir zwei Nationalparkangestellte die Wandermöglichkeiten erklären. Außer mir gibt es heute keine Besucher mehr.

Kurz vor dem Refugio fängt es an zu regnen. Ich konnte schon auf dem Weg von Lola beobachten, dass die Berge auf der östlichen Seite in den Wolken lagen, während die Straße im Tal von Loja nach Vilcabamba von der Sonne beschienen war. Von östlichen Seite ziehen ständig neue Wolken über die Bergkämme. Der Park ist groß und umfasst gleich mehrere Klimazonen, der größte Teil ist Regenwald.

Ich mache erst mal Pause, und als ich dann den vierstündigen Rundweg beginne, hört es pünktlich auf zu regnen. Beim Aufstieg kann man beobachten, wie die Bäume immer zwergwüchsiger werden und schließlich ganz den Gräsern weichen. Im oberen Bereich ist nur selten mal eine Lücke mit Sicht in das Tal. Von der Tierwelt sehe ich wenig. Auffallend ist die Ruhe, nur ab und zu hört man einen einzelnen Vogel. Als ich wieder am Refugio ankomme, fängt es auch wieder an zu regnen. Wie schön, dass ich hier einen überdachten Zeltplatz habe.

Podocarpus - Vilcabamba

Am Morgen hat der Regen aufgehört. Das Tagesprogramm ist einfach: 25 km Abfahrt von 2800 auf 1500 Höhe über NN, dann ein kurzer Anstieg und bis Vilcabamba ausrollen. Dort ist mein Ziel die Rumi Wilco Ecolodge, die etwas außerhalb des Dorfes am Fluss liegt. Es gibt Hütten und einen Campingplatz. Auf dem Platz sind noch vier andere Camper, aus dem Baskenland, Spanien und Dänemark.

Vilcabamba

Morgens besuche ich die Eigentümer in ihrem Haus. Es sind Orlando und Alicia, zwei aus Argentinien stammende Biologen. Ich hatte gestern erwähnt, dass ich Programmierer bin und sie hatten um Hilfe bei einem Computerproblem gebeten. Ich helfe gerne, wofür ich neben einem Preisnachlass auch einige Erläuterungen zum Projekt Rumi Wilco bekomme, das nicht nur aus der Ecolodge besteht, sondern auch ein Naturreservat umfasst.

Das ist vor einigen Jahren entstanden, als fünf Eigentümer ihre Grundstücke zusammengetan haben. Nun möchte einer der Eigentümer verkaufen. Obwohl es einen staatlichen Schutz gibt, möchten die Biologen das Grundstück kaufen, damit das Naturreservat intakt bleibt. Sie befürchten, dass der staatliche Schutz nicht so einfach durchsetzbar sein sollte, falls das Grundstück von einem Investor mit anderen Absichten gekauft wird. Auch wenn es am Fluss wegen Hochwasser schwierig ist zu bauen. Die Hütten der Lodge stehen deshalb auf Stelzen. Nach einem Hochwasser war die Fußgängerbrücke zum Ort für mehrere Jahre defekt.

Vilcabamba ist ein bekannter Touristenort. Der Vorteil ist, dass es deshalb auch eine Fußballkneipe gibt. Die europäische Champions League wird auch hier verfolgt. Dortmund wird aber nicht gezeigt, nur Arsenal vs Neapel. Den Rest des Nachmittags verbringe ich auf der Hängematte, dann esse ich gemeinsam mit den anderen Campern in der Küchenhütte das Abendbrot.

Ich bleibe noch einen Tag und erkunde das Naturreservat auf den gepflegten und markierten Wanderwegen. Im Gegensatz zu dem nur wenige Kilometer entfernten Podocarpus Park, ist es hier extrem trocken. Die Laubbäume haben in der Trockenzeit ihre Blätter weitgehend abgeworfen und Kakteen beherrschen das Bild. Darunter auch der San Pedro Kaktus, dessen Gebrauch als Rauschmittel aber im Reservat unerwünscht ist.

Der Name Rumi Wilco bezieht sich auf den Wilco Baum, den die Inkas als heiligen Baum hier eingeführt haben. Von diesen Bäumen finde ich keinen, aber verwandte Arten mit ähnlichen Blättern. Viele Bäume sind mit Stacheln bewehrt. Trotz der Trockenheit blühen einige Yuccas, sonst finde ich nur eine Blume mit blauen, trompetenartigen Blüten. Von den über 130 Vogelarten im Reservat sehe ich nur wenige. Darunter einige Kolibris, die eher durch ihr tiefes Brummen als durch ihre optischer Erscheinung wahrzunehmen sind.

Vilcabamba - Cariamanga

Zum Frühstück gibt es nochmal hausgemachtes Müsli und hausgemachten Kaffee der Lodge. Ich fahre erst zurück nach Malacatos und dann Richtung Westen. Kurz hinter Malacatos wird die Strecke zur Piste und überquert einen Fluß, an dem größere Mine liegt. Dann geht es erst 1300 Höhenmeter hoch, dann wieder 700 Höhenmeter runter bis Gonzanama, wo ich Mittagspause mache. Ab hier ist die Straße wieder asphaltiert.

In Cariamanga finde ich direkt neben der Unterkunft ein ruhiges Restaurant, in dem leise jazzige Musik gespielt wird. Kein Fernseher. Eine absolute Wohltat.

Cariamanga - Macará

Mein letzter Tag in Ecuador. Heute geht es erstmalig ins Tiefland. Komischerweise wird es bei der Abfahrt bei 2000 Meter über NN erst mal kühler, dann erst wärmer. Nach 1500 Höhenmetern Abfahrt komme ich in Macará auf 300 Meter über NN an, das als heißeste Stadt in Ecuador gilt. Die Straße ist eigentlich geteert, aber an vielen Ecken auch geflickt.

An der Grenze wurde eine neue Brücke gebaut. Das Abschieds-Schild von Ecuador steht an der neuen Brücke, das Willkommens-Schild von Peru steht noch an der alten Brücke. Der Landeswechsel ist einfach: Ausreisestempel hier, Einreisestempel dort. Keine Wartezeiten.

Es ist erst früher Nachmittag und ich fahre noch bis zur nächsten Stadt in Peru.

Zum vorherigen Teil, zur Übersicht oder zum nächsten Teil.

gekuerzt-Cuenca-Macara.gpx (445 km, 8850 hm, 6 Tage)