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Ecuador-Peru - Teil 3: Von Macará nach Trujillo

Der vermeintlich einfachste Teil der Reise verläuft entlang der Küste. Was soll bei einer fast ebenen Strecke schon stören? Na, zum Beispiel Gegenwind, Hitze, Sonne, Magenprobleme, zunehmender Verkehr und Müllhalden entlang der Straße. Auf der anderen Seite die superfreundlichen Peruaner, der Pazifik und die schöne Stadt Trujillo. Es gibt auch Spuren von prä-Inkakulturen zu besichtigen. Am Ende habe ich jedenfalls nichts dagegen, dass es wieder in die Berge geht.

Macará - Las Lomas

Am Vormittag war ich noch im Ecuador. Dank der schnellen Erledigung der Formalitäten an der Grenze habe ich am Nachmittag noch Zeit, um bis zur nächsten Kleinstadt weiterzufahren. Die erste Änderung im Vergleich zu Ecuador ist, dass mir die Leute häufiger winken und ständig “Gringo” und “De donde?” (“woher?”) hinterherrufen. Der nächste Unterschied sind die Tuk Tuks (oder Mototaxis), die hier das Straßenbild bestimmen. Außerdem muss ich die Reisewährung von Dollar auf Sol umstellen. Dollars werden oft nicht akzeptiert und sind schwierig zu tauschen.

Las Lomas - Camping

Zum Frühstücken kann ich mich zwischen dem Angebot auf dem Markt und einer Pollería entscheiden. Zum Markt traue ich mich doch nicht, das Frühstück wird also entsprechend handfest. Unterwegs begegnen mir mehre Pilger, teilweise in der Gruppe oder alleine. Einer schleppt ein Kreuz auf Rollen. Zum Rasten hatte hat er es gerade abgelegt und wir kommen ins Gespräch. Es sind insgesamt mehrere tausend Pilger, die vor einigen Wochen zu Ehren Ihres Heilgen, Señor Cautivo de Ayabaca in Lima gestartet sind. Mitte Oktober treffen sich alle in Ayabaca zur Abschlussfeier.

In der Gegend gibt es viel Obstanbau. Hier werden unter anderem Maracujas und Mangos für den Export erzeugt. In Chulucanas finde ich ein nettes Restaurant. Es wird von einem sehr netten Trio bewirtschaftet und es gibt den obligatorischen Fruchtsaft, Café, Yuca und Käse. Es ist direkt neben der Straße und der Lärm der Tuk-Tuks ist ohrenbetäubend. In der Stadt ist gerade Kirmes und es werden Tischkicker aufgebaut. Es sind so ziemlich alle wichtigen Nationalmannschaften vertreten - nur die deutsche fehlt.

Am Nachmittag ist es sehr heiß und trocken. Die Flächen um die Straße sind eingezäunt, ich sehe Schafe und Ziegen weiden. Weil Openstreetmap nur wenige Dörfer auf der Strecke zeigt, nehme ich vorsichtshalber genug Wasser mit. Die regelmäßig vorbeifahrenden Bier-Laster helfen nicht beim Durst löschen. Im Gegenteil. Letztlich hat sich aber herausgestellt, dass es ausreichend Verpflegungsmöglichkeiten gibt. Kurz vor Feierabend finde ich sogar noch einen Kiosk, wo ich mir ein kühles Bier als Schlummertrunk im Zelt einpacken kann.

Camping - Layambeque

Beim Losfahren tröpfelt es etwas, im Laufe des Vormittags kommt die Sonne raus. Ich werde von einer Verkehrskontrolle gestoppt. Nach dem obligatorischen "Que país?" (“Welches Land”) werden erst mal alle Fußballspieler aus der Bundesliga aufgezählt: Pizarro, Farfan, Zambrano. Von den Vereinen sind dementsprechend neben München und Dortmund auch Bremen, Schalke und Frankfurt bekannt.

Die Landschaft ist ein bisschen langweilig. Meistens wird Obst angebaut, als Abwechslung gibt es einen kleinen Pass. Auf der Suche nach einem Stück Kuchen werde ich nicht fündig. Stattdessen gibt es ein Fischgericht und einen Haufen neugieriger Jungs, die mich zu meinem Fahrrad ausfragen. Gegen Abend wird der Gegenwind stärker. Es gibt mehr Verkehr und ich muss oft auf den Seitenstreifen mit schlechterem Asphalt ausweichen. Deshalb komme ich erst kurz vor sieben Uhr im Dunkeln in Layambeque an.

Layambeque - Santa Rosa

Ich konnte mir am Vorabend endlich einen Reiseführer runterladen. Gut so, denn sonst hätte ich fast das in unmittelbarer Nähe liegende Museo Tumbas Reales de Sipón verpasst. Es sieht von außen wie ein Tempel aus und im Inneren wird die Kultur der Moche anhand der Grabbeigaben eines Mochefürsten vermittelt. Nach dem Museumsbesuch besorge ich mir Essen auf dem Markt: Ceviche in der Tüte mit Mais, Zwiebeln, Soße (“aji”). Als Beilagen gibt es noch Maisfladen und Kartoffelbällchen.

Dann fahre ich zum ersten Mal zur Küste. Erst zum Badeort Pimentel, dann weiter nach Santa Rosa. Die sind zwar inzwischen durch ein eTeerstraße verbunden, die Landschaft ist aber leider mit unglaublich viel Plastikmüll verschandelt.

Ich hatte im Internet eine gute Restaurantkritik des “Brisa del Mar” in Santa Rosa gelesen. Dementsprechend hatte ich auch auf sonstige touristische Infrastruktur gesetzt. Ein Irrtum. Es gibt nur ein im Umbau befindliches Hostal. Im Erdgeschoss liegen ein Haufen Kies und Steine. Es stellt sich heraus, dass es zu besagtem Restaurant gehört und glücklicherweise gibt es trotz Renovierung ein Zimmer.

Am Abend explodiert etwas in meinem Magen, vermutlich das Ceviche vom Mittag. Die nächsten zwei Tage brauche ich, um mich davon zu erholen.

Santa Rosa - Pacanquillos

Auf Nebenstrecken fahre ich zur Panamericana, wo es durch brennende Müllhalden weitergeht. Tatsächlich scheint neben der Straße die offizielle Müllhalde von Chiclayo zu sein, denn die Mülllaster laden dort ab. Später wird die Gegend verträglicher und Dünen mit unterschiedlichen Formen beherrschen das Bild.

Ich brauche unbedingt Schatten und mache Pause an einem Kiosk am Straßenrand. Es gibt nur Kekse und Inca Cola. Dafür setzt sich der Inhaber zu mir und erzählt über Land und Leute. Unter anderem über den Präsidenten Fujimori, der trotz Korruptionsaffäre noch immer von Teilen der Bevölkerung geschätzt wird. Das Land drum herum gehört drei großen peruanischen Obstfirmen, die Weintrauben für den Export anbauen. Die sind hier ausschließlich zum Essen. Die Trauben für den Pisco werden weiter südlich angebaut. Ein Kunde kommt und holt Chicha. Ein anderer fährt mit einem Mototaxi der Marke Piaggo vor. Das wird in Indien hergestellt, nicht in Italien, wie ich vermutet hatte.

Ich übernachte schon in Pacanquillos, weil die Sonne brennt und ich noch nicht richtig fit bin. Ich habe Muskelkater, wahrscheinlich noch eine Nachwirkung der Magenentleerung. Ich versuche, es mit Magnesiumtabletten auszugleichen. Dummerweise habe ich nur noch Dollar, die ich im Ort nicht tauschen kann. Die Hoteleigentümerin fährt dafür extra in den Nachbarort.

Pacanquillos - Paijan

Zum Frühstücken fahre ich bis Guadalupe, wo ich am gepflegten Marktplatz eine Cafeteria finde. Heute geht es mal eher europäisch zu mit Brötchen, Butter und Honig. Ein “richtiger” Kaffee statt des aufgeschütteten Kaffeesuds hätte es perfekt gemacht.

Trotz 60er Sonnencreme lege ich am Nachmittag doch wieder die Beinlinge an. Meine Radhose ist echt robust und der Reißverschluss zum Abnehmen der Beinlinge wirklich praktisch. Nur leider ist die Hose schwarz, was sie als Sonnenschutz eher ungeeignet macht.

Nach San Pedro kommt wieder ein Stück Wüste. Obstanbau wechselt mit Wüste, je nachdem, ob bewässert wird oder nicht. Dieser Teil wird nicht als Müllhalde missbraucht, dafür gibt es Hühnerfarmen. Wie schon die letzten Tage hat die Straße einen ausreichend breiten Randstreifen. Vorsicht ist geboten, wenn der durch eine Baustelle blockiert ist. Rücksichtnahme auf Radfahrer sollte man nicht erwarten.

Abends gibt es ein Rindfleisch in einer Grillstube (“parilla”), dazu probiere ich erstmals Chicha morada: Ein alkoholfreies Getränk aus dunklem Mais. Dagegen gibt es auch helle Chicha, die aus vergorenem Mais hergestellt wird und einige Prozent Alkohol enthält. Das Abendessen gibt es für 12 Soles (3 Euro), die Übernachtungen kosten hier um die 7 Euro. Es ist also noch ein bisschen günstiger als in Ecuador.

Paijan - Trujillo

Als erste Mahlzeit gibt es zur Abwechslung gefüllte Kartoffeln (“Patatas rellenas”). Ich habe nur eine kurze Strecke bis Trujillo vor mir, die recht eintönig verläuft. Anfangs durch Zuckerrohrplantagen, dann über eine kleine Anhöhe. Später an Siedlungen und Hühnerfarmen vorbei. In Trujillo gönne ich mir das Hotel Colonial samt Wäscheservice. In der “Casa de Ciclistas”, in der ein Einheimischer einen kleinen Radladen betreibt und auch privat Radler unterbringt, treffe ich leider keinen an.

In den folgenden Tagen besuche ich noch die Ruinen von Chan Chan und den Küstenort Huanchaco, wo am Strand viele der traditionell von Fischern genutzten Schilfboote zu finden sind.

Es ist auch Zeit für einen Haarschnitt, bei dem für 3 Soles auch noch ein Snack und 2 cm Bartentfernung enthalten sind. Den Rest darf ich dann im Hotel mit meiner stumpfen Rasierklinge selbst abschaben.

Zum vorherigen Teil, zur Übersicht oder zum nächsten Teil.

gekuerzt-Macara-Trujillo.gpx (598 km, 1750 hm, 7 Tage)