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Ecuador-Peru - Teil 4: Von Trujillo nach Huallanca

Nach dem Küstenteil geht es jetzt wieder in die Berge. Dabei folge ich der Rute PB3 des Lateinamerika Bike Buchs. Im Vergleich zu den Abschnitten durch die ecuadorianischen Anden geht es etwas höher hinauf. Und diesmal darf ich mir die Höhe ehrlich von Meeresniveau an erarbeiten.

Von Trujillo fährt man zunächst zum Rio Santa und folgt ihm durch den Cañon del Pato zum Callejón de Huaylas. Das Tal trennt die beiden Gebirgsketten Cordillera Blanca und Cordillera Negra und ist das Bergsteiger- und Trekkingzentrum Perus. Die Cordillera Blanca wird dann schließlich am Ende des Tales durch den Nationalpark Huascarán überquert. Im nächsten Abschnitt führt die Route dann in die zentralen peruanischen Anden.

Trujillo-Tanguche

Ich nutze die Infrastruktur in Trujillo und gönne mir morgens noch einen richtigen Filterkaffee. Auch Mails wollen noch geschrieben werden, was die Abreise etwas verzögert. Ich glaube, Zeit zu haben, denn für die heutige Etappe habe ich kein festes Ziel. Es gibt keinen Ort mit Übernachtungsmöglichkeit in Reichweite.

Zunächst geht es noch auf der Panamericana weiter, wo der Randstreifen jetzt besser ist. Es ist trüb und die Landschaft eher eintönig. Ich mache es mir zur Aufgabe, einen der hoch bepackten Zuckerrohr-Laster auf die Speicherkarte zu bannen.

In Chao gibt es Mittagessen, dann kommt die Abzweigung nach Osten zum Rio Santa. Es ist ein Privatweg, der aber für Radfahrer kostenlos ist. Es ist nicht geteert und ich habe hier den ersten Platten, ein Stück dicker Draht bohrt sich in den Hinterreifen.

Einige Kilometer vor Tanguche finde ich dann einen Platz zum Campen. Der Boden besteht aus feinem Sand, der sich dann durch etwas Nieselregen in ein klebriges Wesen verwandelt, das Beine, Schuhe und mein Zelt angreift.

Tanguche-Yuracmarca

Vormittags verläuft der Weg am Rio Santa entlang. Auf der anderen Seite ist parallel die von Chimbote kommende, geteerte Straße. Dann kommt eine Brücke und es sind noch einige Kilometer auf der Teerstraße bis Chuquicara. Dort bereite ich mich mit gebratenem Lamm und Inca Cola auf den Cañon del Pato vor. Es geht auf Schotter weiter, das Tal verengt sich immer mehr und es gilt viele, aber kurze, Tunnel zu durchqueren. Da nicht viel Verkehr ist, kommt es auch nicht zu ungemütlichen Zusammentreffen in den Tunnels.

An einem schattigen Plätzchen treffe ich zwei andere Radler, ein australisches Pärchen, bei der Mittagspause. Sie sind in Bogotá gestartet und wollen im März in Ushuaia (Feuerland) ankommen. Von dort ist der Weiterflug nach Madrid schon gebucht. Sie erzählen mir, dass sie fast immer campen. Respekt! Dagegen ist meine Reise purer Luxus. Wobei sie beim Campen die Nähe zu Häusern suchen und die Landeigentümer um Erlaubnis fragen. Bisher haben sie damit ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.

Nicht viel weiter schenken mir zwei Einheimische eine mir bis dahin unbekannte Frucht: Guaba. Das Fruchtfleisch erinnert von Konsistenz und Geschmack an Zuckerwatte. Die Beiden arbeiten in einer Kohlemine und sind mit dem Fahrrad auf dem Heimweg. Bei der Weiterfahrt fallen mir an der Straße ungesicherte Stolleneingänge und provisorische Verladerampen auf. Der Bergbau ist eine der Haupteinnahmequellen Perus, wobei hauptsächlich Mineralien abgebaut werden.

Als ich in Yuracmarca ankomme, ist es bereits dunkel und es regnet. Ich frage bei einer Familie nach dem Weg zu einer Unterkunft, aber es gibt erst im nächsten Dorf wieder eine. Das schaffe ich heute nicht mehr, und als die Leute das merken, bieten sie mir sofort an, bei ihnen zu übernachten.

Das nehme ich dankend an und baue mein Zelt in der Waschküche auf. Ich unterhalte mich mit den Kindern und sie zeigen mir stolz die Esel, Enten und Schweine der Familie. Das Zimmer teile ich mir mit einigen Meerschweinchen, die an Maisblättern rumknabbern.

Yuracmarca-Caraz

Als ich mich bei der Abreise für die Unterkunft erkenntlich zeige, bekomme ich auch gleich noch einige Mangos aus dem Garten mit auf den Weg. Frühstück ist dann später in Huallanca, diesmal ganz einfach mit Kaffee, Saft und Brötchen mit Marmelade. Das Restaurant ist auch gleichzeitig die Dorfdisco und die Boxen werden schon mal für den Abend aufgewärmt.

Ungefähr ab der Hälfte des Weges zwischen Huallanca und Caraz ist die Straße wieder asphaltiert. Hier fängt das Callejon de Huaylas an. Nach dem engen Cañon öffnet sich das Tal jetzt und es gibt Grünflächen. Das Callejon ist wegen der Cordillera Blanca eine touristisch gut erschlossene Gegend. Das macht sich schon in Caraz positiv bemerkbar, wo ich das Hostal "Perla de los Andes" mit Blick über den schönen Marktplatz finde. Direkt daneben ist ein schickes Restaurant, wo es zum Abendbrot gefüllte Kartoffeln und als Nachtisch Pfannkuchen mit Manjar Blanco (süße Milchkonfitüre) und Pfirsichen gibt.

Caraz-Vilcos

Bei der Recherche habe ich eine Sendung aus der Mediathek des peruanischen Staatsfernsehens über Turismo Rural in Vilcos gefunden. Das probiere ich dieses Wochenende mal aus.

Vilcos ist komplett untouristisch und so muss ich mich durchfragen. Üblicherweise werden die Unterkünfte über die Agentur in Huaraz gebucht und man wird dann von dort direkt zum Haus gefahren. Ein Junge führt mich schließlich zu einem der Häuser, die Turismo Rural  anbieten.

Zur Begrüßung gibt es gleich einen Tee, hausgemachtes Brot mit Honig und Mazamorra, ein Nachtisch aus dunklem Mais. Danach zeigt mir der Sohn des Hauses schon mal den Kräutergarten und den Schweinestall. Später kümmert sich seine Mutter um mich. Im vorigen Jahr hat die Familie neue Unterkünfte neben dem alten Haus gebaut und jetzt werden beide Häuser touristisch genutzt. Das Wohnhaus ist jetzt etwas weiter unten im Dorf. Abends kocht die Gastgeberin gebratenen Spinat mit Kartoffeln und wir essen gemeinsam.

Vilcos

Zum Frühstück gibt es Quinua. So werden nicht nur die Körner genannt, sondern auch ein Getränk, in dem sie verwendet werden. Der Tag läuft heute mal anders ab: wir gehen aufs Feld. Dazu holen wir erst mal die drei Schweine ab, die dann oben angepflockt werden. Das ganze Dorf scheint unterwegs zu ihren kleinen Parzellen, die oberhalb des Dorfes liegen und Chacra genannt werden.

Oben ernten wir Bohnen, danach gehen wir zu einem schönen Aussichtspunkt und picknicken. Auch die Nachbarn haben ihr Mittagessen mit raufgebracht. Nachdem dann noch Grünes für die Meerschweinchen eingepackt ist, machen wir uns mitsamt Schweinen zurück auf den Weg ins Dorf.

Abends gibt es untypischerweise Nudeln. Heute sind auch Tochter und Enkel Erika mit am Tisch. Die Verständigung ist nicht ganz einfach. Unter sich spricht die Familie Quechua, mit Gästen wird spanisch gesprochen.

Vilcos-Cátac

Von Vilcos geht es wieder auf die Hauptstraße im Tal und mittags bin ich in Huaraz. Das Zentrum ist eine Art Klein Las Vegas und eine Spielhalle lärmt neben der anderen. Auf dem Marktplatz gibt es zum Ausgleich ein Sonntagskonzert.

Vilcos erreiche ich schon am frühen Nachmittag. Hier hätte ich noch die Option gehabt, zum Eingang des Nationalparks zu fahren, um dort zu zelten. Das ist noch auf einer vernünftigen Höhe und hätte die Strecke für den folgenden Tag etwas vereinfacht. Ein starker Regenschauer überzeugt mich aber davon, im Ort zu bleiben. Als Vorbereitung für den nächsten Tag gönne ich mir dafür im Recreo Turistico ein Menü mit Avocado-Salat, Forelle und Panqueque. Dazu dunkles Cusquena Bier.

Was eigentlich "Ensalado de Palta" ist, habe ich nur deshalb verstanden, weil mir die freundliche Bedienung eine Avocado gezeigt hat. Aguacate, die in Spanien und auch noch in Ecuador verstandene Bezeichnung, hat weder sie noch die Köchin jemals gehört.

Cátac-Huallanca

Die Strecke heute führt durch den Parque Nacional Huascarán. Die nächste Versorgungsmöglichkeit ist Huallanca. Bleibt man unterwegs hängen, dann muss man unter Umständen auf Höhen um die 4600m übernachten. Das wären 1000m mehr als in Cátac und klingt nicht verlockend. Deshalb breche ich früh auf und frühstücke noch im Dunkeln um 5 Uhr. Von den gestrigen Regenschauern ist nichts mehr übrig und es ist klarer Himmel. Nach dem Eingang zum Park passiert man zunächst eine Ansiedlung von Riesenbromelien, danach eine der antiken Felsmalereien im Park.

Diese Strecke ist nicht nur wegen der zwei auf 4800 Meter Höhe liegenden Pässe ein Höhepunkt meiner Reise. Auch die Landschaft ist phantastisch und bietet feinste Bergpanoramen. Die Cordillera Blanca mit Perus höchster Erhebung, dem Huascarán auf 6768 m, zeigt sich zum Abschluss noch von ihrer schönsten Seite. Ich gerate in einen leichten Fotorausch. Zudem bin ich fast völlig allein auf der Straße. Irgendjemand war allerdings schon hier unterwegs und hat eine Reiszwecke verloren, die ich in meinen Vorderreifen wiederfinde.

Trotz Reifenflicken komme ich noch ausreichend früh zur asphaltierten Hauptstraße, auf der ich entspannt bis Huallanca rolle.

Zum vorherigen Teil, zur Übersicht oder zum letzten Teil.

gekuerzt-Trujillo-Huallanca.gpx (467 km, 6300 hm, 6 Tage)