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Uruguay - An der Küste entlang von Chuy bis Colonia

Nach der Fahrt durch den Süden Brasiliens und der Grenzüberquerung in Chuy führt dieser Teil an der Küste Uruguays entlang. Höhenmeter gibt es fast nicht mehr. Ich habe genug Zeit bis zu meiner Verabredung in Buenos Aires und so bummele ich in kurzen Etappen durch das Land und passe mich der entspannten Art der Uruguayer an. Zusätzlich zu den Fotos hier auf der Seite gibt es ein Fotoalbum von diesem Abschnitt. Danach geht es nach Salto und Argentinien.

La Coronilla - Santa Teresa

19 km

In La Coronilla konnte ich am Vortag noch eine Hütte organisieren. Im Laden hatten sie die Vermieterin angerufen, nachdem das einzige Hotel im Ort geschlossen war. Am Morgen hat sich das Gewitter verzogen und ich kann draußen frühstücken. Eine Hundefamilie würde gerne mit mir frühstücken. Kaltherzig teile ich jedoch nicht, woraufhin sie einen Handschuh verschleppen. Nachdem ich den schon abgeschrieben hatte, finde ich ihn bei der Weiterfahrt einige hundert Meter weiter auf der Strasse.

Der Parque Santa Teresa ist eigentlich Militärgebiet, wird aber der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Es ist alles sehr gepflegt. Ich treffe im Restaurant auf drei andere Radfahrer, die einen Tagesausflug von Santa Teresa machen. Es sind zwei Amerikanerinnen und eine Engländerin. Damit sie keinen Vorteil in der Kommunikation haben, üben wir spanisch. Eine der Amerikanerinnen ist seit einer Radtour durch die USA bei Warm Showers (http://www.warmshowers.org) registriert. Momentan macht sie house-sitting. Das heisst, sie und ihr Freund wohnen kostenlos in dem Haus und kümmern sich darum und um die Hunde. Im Haus bietet sie Radlern eine kostenlose Unterkunft an. Ein interessantes Angebot, allerdings habe ich die Übernachtung im Park schon bezahlt und fahre deshalb weiter zum Camping. Die Temperaturen von fast 30 Grad sind schon ungewöhnlich für die Jahreszeit. Das erklärt, warum der schön angelegte Campingplatz noch fast leer ist.

Santa-Teresa - Castillos

50 km

In Punta del Diablo besuche ich dann die Bekannten vom Vortag. Das Haus ist sehr schön gelegen, fast am Strand, mit sandigem Boden und unter großen Nadelbäumen. Ich bekomme einen Kaffee und ein zweites Frühstück. Die Einladung zu bleiben und zusammen zu kochen muss ich leider ablehnen. Mir geht das Geld aus, weil ich es in Chuy versäumt habe, mir Bargeld am Automaten zu holen. Ich habe nur die restlichen Reales getauscht.

So fortschrittlich das Land auch ist, Geldautomaten, an denen man mit einer internationalen Karte (Maestro, Visa) Geld bekommt, sind rar. Dafür kann man auch im Supermarkt mit der Kreditkarte bezahlen. Auch in Castillos bekomme ich kein Geld aus dem Automaten. Aber im Hotel kann ich freundlicherweise etwas mehr mit der Karte bezahlen und bekomme den Betrag in bar ausgezahlt.

Castillos - Cabo Polonio

30 km

Cabo Polonio ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Über eine Sandpiste und Strand kann man nur mit Geländewagen zum Ort kommen. Von der Strasse gibt es einen Shuttle-Service. Es ist aber noch früh und so nehme ich das Rad, wobei ich aber einen großen Teil der Strecke schieben muss. Im Ort gibt es ein sehr gemütliches Hostel und auch einen kleinen Laden.

Cabo Polonio - La Paloma

46 km

Ich gönne mir einen Tag Pause. Ein bisschen im Ort spazieren gehen, in der Hängematte liegen und lesen. Es sind auch noch zwei andere Radfahrer im Hostel, die ihre Räder aber im Busterminal an der Strasse gelassen haben. Es sind Brasilianer, die bis Porto Alegre geflogen sind und dann mit dem Bus weiter bis Uruguay. Sie wollen an der Küste weiterfahren bis Montevideo.

Leider ist es regnerisch geworden und auch für die nächsten Tage ist reichlich Regen vorhergesagt. Trotzdem muss ich weiter. Diesmal nehme ich den Geländebus bis zur Strasse. Die Weiterfahrt mit dem Rad nach La Paloma ist wie Schwimmen. Nach zwei Stunden komme ich komplett durchnässt in La Paloma an. Die Windrichtung erkennt man entweder an den Wellen auf den inzwischen riesigen Pfützen oder an den Kühen auf der Weide. Die richten sich nämlich so aus, dass der Hintern gewaschen wird und der Kopf trocken bleibt.

In La Paloma sitze ich den Regen aus. Es ist ungewöhnlich viel für die Jahreszeit und wird El Niño zugeschrieben. In einigen Teilen des Landes sind die Flüsse über die Ufer getreten und über tausend Menschen sind ohne Unterkunft.

La Paloma - Camping libre

102 km

Ich versuche zunächst die Ruta 9 weiterzufahren. Die ist aber für ungefähr zwei Kilometer ausgesetzt in dem Bereich, wo die Laguna Rocha an das Meer grenzt. Bei Niedrigwasser ist die Lagune vom Meer getrennt und man sollte dann am Strand entlang laufen können. Von Niedrigwasser kann aber nach den Regenfällen der vergangenen Tage keine Rede sein. Aus der Lagune fliesst ein großer Strom Wasser Richtung Meer.

Also umkehren und den Umweg über Rocha nehmen. Das ist sehr zäh, auch wegen Gegenwind. Die nächste Ortschaft nach Rocha an der Ruta 10 wäre San Carlos. Von dort hatte ich schon Überschwemmungsbilder im Fernsehen gesehen. Kein so gutes Ziel und auch nur mit Anstrengung zu erreichen. Deshalb biege ich wieder auf die Ruta 9 Richtung Meer ein. Die ist hier noch nicht asphaltiert, aber sehr breit und führt direkt am Meer entlang. Ausser einem Phantomort, der wohl mal eine Ferienanlage werden soll, ist nichts. Dann ist wieder eine Lagunenverbindung per Fähre zu überqueren. Die fährt aber nicht mehr. Glücklicherweise stehen dort einige Häuser die Anwohner versorgen mich mit Trinkwasser. Der Morgenkaffe ist gesichert, der bei den Temperaturen schon gut tut, bis die Sonne anfängt zu wärmen.

Camping libre - Piriápolis

95 km

Die Fähre ist leider ausser Betrieb. Neben der Fähre ist auch eine Brücke in Arbeit, die wäre aber trotz Baustopp am Sonntag mit dem Rad und Gepäck nicht so einfach zu überqueren. Ich habe aber Glück und als ich ankomme, ist gerade jemand auf der anderen Seite mit einem kleinen Motorboot am Übersetzen. Er sieht mich, kommt zurück und holt mich ab. Sogar kostenlos. Man darf auch mal Glück haben.

Die Strasse ist jetzt geteert. Am Sonntagmorgen sind auch viele mit dem Rad unterwegs. Die Ferienwohnungen am Rand nehmen zu. Es werden viele Grundstücke und Wohnungen zum Verkauf angeboten. Uruguay boomt. Das sieht man besonders in Punta del Este. Die Stadt verlasse ich auf der Interbalnearia, die Ruta 9, die hier zweispurig verläuft. Die ganze Strasse ist aber sehr großzügig angelegt, breiter Seitenstreifen und viel Rasen auf beiden Seiten und in der Mitte, so dass es angenehm zu fahren ist. Baldmöglichst fahre ich wieder Richtung Küste auf die Ruta 9 bis Piriápolis.

Piriapolis - La Tuna

39 km

In La Tuna wollte ich mich eigentlich mit Ernesto treffen, einem deutsch-stämmigen Bekannten von Bekannten. Wegen des Umwegs in Rocha habe ich ihn allerdings verpasst. Er vermittelt mir aber den Kontakt zu einer kleinen Gruppe, die seine Ferienhäuser dort gemietet hat. Die Gruppe besteht aus einem Argentinier und einem brasilianischen Paar, die dort zusammen an einem Multimediaprojekt arbeiten. Über work & travel ist auch noch eine Holländerin zu Besuch. Eine Lehrerin, die sich dort im Videoschnitt fortbildet.

Die Gruppe war gerade dabei, den Gemeinschaftsraum mit Kameras auszustatten. Das soll eine Art Big Brother für Jedermann werden. Gäste können kostenlos übernachten, wenn sie ihre Bildrechte abgeben. Sie brauchen sich nur an den Verpflegungskosten beteiligen.

Wir konnten noch ohne Überwachung zusammen kochen und dabei kauderwelschen. Ich bekomme so ein bisschen Sprachunterricht und kann mich weiter in das spanisch reinhören, wie es am Rio de la Plata gesprochen wird. Doppel-L und Y werden zum sch. Und natürlich hat auch die Küche wieder ihre Besonderheiten. Ein Kürbis nennt sich hier zum Beispiel zapallo und kleine runde Zucchinis sind zapallitos (die wiederum nichts mit zapatillas (Turnschuhen) zu tun haben, an die ich zunächst denken musste).

La Tuna - Montevideo

69 km

In Montevideo treffe ich dann Ernesto und seine Familie. Es sind Bekannte von Bekannten und deshalb finde ich es sehr bemerkenswert, dass sie mich zu sich eingeladen haben. Ich werde mit einer Parrilla begrüßt, ein Grillen wie es in Uruguay und Argentinien zelebriert wird. Der Kamin lässt sich zum Grill umfunktionieren und dort garen Fleisch, Würstchen und Süsskartoffeln. Ich bleibe dort für ein langes Wochenende und bin sehr dankbar dafür, einen Einblick in den uruguayischen Alltag zu erhalten.

Montevideo - Nueva Helvecia

127 km

Selbst in Montevideo ist der Verkehr gut zu ertragen. Und mit zunehmender Entfernung auf der Ruta 3 dünnt der Verkehr weiter aus. Es ist sonnig, aber die Luft noch kühl. Die Strecke ist mit 180 Kilometer etwas zu weit. 120 km kann man locker schaffen, wenn der Wind mitspielt. Es ist leicht hügelig, mein GPS zeigt 50 Höhenmeter pro 10 Kilometer, mein PC die Hälfte.

Die anvisierte Pension hat leider geschlossen. Zelten ist in der Gegend schwierig weil alles eingezäunt ist. Deshalb fahre ich noch weiter bis Nueva Helvecia. Dort finden sich die Wappen der Schweizer Kantone noch an vielen Stellen. Auch die Mentalität scheint sich noch erhalten zu haben, wenn man den ordentlichen und sauberen Stadtpark ansieht. Aber auch im restlichen Uruguay kam es mir nicht unaufgeräumter vor.  Ob in Parks oder am Strand. Wo der Uruguayo mit Thermoskanne und Mate flaniert, ist die Welt in Ordnung. Ein Beispiel sind auch die überall aufzufindenden Plätze mit Fitnessgeräten. Alle funktionsfähig und ohne Vandalismusschaden. Später in Colonia bekomme ich sogar kostenlos eine Matte ausgeliehen.

Das Hotel wird von einer Familie geführt und der Sohn spielt im Gemeinschaftsraum vor dem gemütlichen Kamin mit seinem XO (https://de.wikipedia.org/wiki/OLPC_XO-1). Der Computer ist das Resultat des One Laptop per Child Projekts, das in Uruguay sehr erfolgreich umgesetzt wurde. Durch den Plan Ceibal (http://www.ceibal.edu.uy/) wird die Verteilung und Wartung der Rechner umfassend unterstützt. So konnte der Junge mir seine Unterrichtsmaterialen im Internetportal Ceibal zeigen.

Nueva Helvecia - Colonia

65 km

Heute ist Nationalfeiertag und die Weiterfahrt nach Colonia ist sehr entspannt. Insbesondere die letzten Kilometer auf einer Palmenallee sind sehr schön. Vor der Unterkunftssuche picknicke ich auf einer Grünfläche am Ufer des Rio de la Plata.

Für die Weiterfahrt nach Buenos Aires decke ich mich schon mal mit Dollar ein. In Argentinien ist Bargeld Trumpf, weil es einen geduldeten Schwarzmarkt (Blue-Market) für Dollar gibt. Tückisch für mich ist nur, dass ich weder Pesos- noch Dollarscheine richtig kenne und ich jetzt 100er Noten beider Währungen dabei habe. Das endet fast im Desaster, als ich aus Versehen einen Dollarschein unter die Pesos mische, als ich die leckere Auswahl an Selbstgebrautem in der Mikrobrauerei bezahlen will.

Die ehrlichen Brauer weisen mich aber auf den Fehler hin und verzichten so auf ein üppiges Trinkgeld. Das ist ein sehr netter Ausgleich für zwei Fälle vorher, wo das Rückgeld unvollständig war.

In Colonia bleibe ich noch einen Tag, um die schöne Altstadt mit den portugiesischen und spanischen Kolonialbauten zu geniessen. Danach fahre ich mit der Colonia Express Fähre weiter nach Buenos Aires. Die Fahrradmitnahme ist kein Problem und kostenlos.