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Von Bariloche nach Temuco

Von San Rafael fahren wir mit dem Bus nach Bariloche. Nun sind wir in Nordpatagonien und erfahren die Seen, Vulkane und Thermen auf argentinischer und chilenischer Seite. Danach machen wir noch einen Abstecher zur Pazifikküste und in Temuco ist die Radreise für Davina beendet. Wieder mit dem Bus erkunden wir dann noch Valparaiso und Santiago.

1. Grenzübergang: Drei Seen Route

Von Bariloche aus gibt es eine seit langen Jahren bekannte Route nach Chile, in der man über drei Seen fährt. Mit einem Ticket bezahlt man drei Fährtpassagen und dazwischen zwei Bustransfers. Als Radfahrer kann man die Bustransfers streichen und selbst fahren.

Nach dem zweiten See findet die Ausreise aus Argentinien statt. Wir werden zuerst abgefertigt, damit wir es rechtzeitig bis Peulla schaffen für die Einreiseformalitäten nach Chile und die Lebensmittelkontrolle. Käse, Salami und Obst hatten wir schon aufgegessen. Was wir nicht wussten: auch Honig steht auf dem Index. So müssen wir uns von dem Honig verabschieden, dürfen aber eine Tüte mit Rosinen ausnahmsweise mitnehmen. Auf die Sekunde genau kommen wir dann zum Katamaran, der uns über den letzen See bringt.

Auf der Fähre können wir Euros in chilenische Pesos wechseln. Die argentinischen will hier keiner. Der Camping in Petrohue am Fuß des Osorno ist in Renovierung. Mangels Alternativen zelten wir trotzdem auf dem Gelände.

Am nächsten Tag sind die Wasserfälle auf dem Weg nach Ensenada geschlossen. Dafür finden wir einen Supermarkt in Ensenada und frühstücken für den Anstieg zum Refugio Teski des gleichnamigen Ski Clubs. Die Strasse ist teilweise sehr steil, aber komplett asphaltiert. Belohnt wird die Arbeit mit toller Aussicht auf den See und auf den Vulkan. Am Refugio sitzen wir noch auf der Terasse und blicken bis zum Pazifik. Danach probieren wir den ersten Pisco Sour.

Am nächsten morgen geht es die Strasse wieder rauf und am See entlang bis Puerto Octay, wo das Hostel Zapato Amarillo auf uns wartet. Es hat einen originellen Dormitorio unter der Dachkuppel, von wo man die Sterne sieht, die allerdings erstmal durch Wolken verdeckt werden. Nach einem Regentag machen wir Ausflüge nach Frutillar und Puerto Montt. Das reichhaltige Frühstück und der gemütliche Kamin in der chilenisch-deutschen Herberge machen den Aufenthalt angenehm.

Weiter geht es dann über Entre Lagos nach Aguas Calientes. Dazwischen gibt es am Lago Rapunco einen Aussichtspunkt mit Blick auf vier Vulkane. Einen davon, den Casablanca, kann man von Aguas Calientes aus gut erreichen. Von dort sind es bis zur Talstation des kleinen Skigebiets noch 18 Kilometer Feldweg. Dann kann man noch ein Stück weiterfahren zu einem Nebenkrater und anschliessend könnte man bei gutem Wetter auch den Vulkan besteigen Bei Niesel und Temperaturen knapp über Null sind Kaffee und Kaminfeuer in der Talstation aber die bessere Wahl. Dort blinkt ein Weihnachtsbaum in allen Farben und der Gedanke an Weihnachten ist in dieser Umgebung auch ganz passend. Anders als noch vor einigen Tagen bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen am Strand.

2. Grenzübergang: Paso Samoré

Von Aguas Calientes kehren wir über den Samoré Pass zurück nach Argentinien. Die Ausreise ist noch im Tal, im oberen Teil kurz vor der eigentlichen Grenze ist die Strecke sehr unheimlich. Bei Kälte und Regen fahren wir durch ein Waldstück, das entweder noch im Winterschlaf - oder abgestorben ist. Es ist aber nur ein kurzes Stück, bei der Abfahrt wird die Landschaft wieder anschaulicher und wir zelten am See. Wir sind zurück am Lago Nahuel, diesmal ein nördlicher Arm.

Das Queren der Landesgrenze ist eigentlich recht einfach und schnell erledigt. Der größte Nachteil besteht für uns durch die beschränkte Einfuhr von Lebensmitteln. Dieses Mal haben wir kein Brot mehr. Im Camping wird frisches Brot angeboten. Der Teig wird auch gemacht, aber der Ofen ist kaputt und wir müssen ohne Brot weiterfahren. An der nächsten Gelegenheit sind alle Brote verkauft. Am abendlichen Campingplatz haben wir dann das Glück, dort noch ein Brot anzutreffen, das dort tapfer schon einige Zeit auf uns gewartet hat. Vielleicht war das der letzte Auslöser dafür, dass Davina danach angefangen hat, selbst Brot zu backen.

Wir sind nun auf der Siete Lagos Route. Die ist sehr bekannt und wir treffen viele Radfahrer. Zu Recht, denn die Landschaft ist grandios. Als reine Touristrecke ist der Verkehr überschaubar. Campingplätze gibt es genug. Wir übernachten sehr idyllisch einige Kilometer abseits der Strecke am Lago Traful.

Restaurants sind dagegen rar an der Strecke. Am Nachmittag finden wir ein Restaurant, das aber geschlossen ist. Auch einige Autofahrer halten und fahren dann weiter. Wir treffen Holländer, die auch vor dem Restaurant stehen. Die fahren dann mit ihrem Auto weiter während wir vor dem Restaurant unsere letzten Reste picknicken. Als wir dann weiterfahren kommen sie uns entgegen und schenken uns Sandwiches, die sie für uns gekauft haben.

Im sehr touristischen San Martín de los Andes probieren wir die lokalen Spezialitäten: Forelle, Wildschwein und Hirsch. Dann geht es weiter wieder Richtung Chile. Da wir auf der hügeligen Schotterpiste langsamer als geplant vorankommen, bleiben wir bei frisch gebackenem Birnenkuchen und Kaminfeuer im Hotel Hua Hum und heben uns die Naturthermen bei Queñi für den nächsten Tag auf. Um dorthin zu kommen, müssen wir erstmal durch zwei eiskalte Flüsse waten und dann noch eine halbe Stunde zu Fuß weitergehen. Dort angekommen haben wir dafür die ganze Therme für uns. Die besteht aus zwei Wasserfällen mit heißem Wasser (um die 40 Grad) und einigen natürlichen Pools darunter.

3. Grenzübergang: Hua Hum

Am Abend fahren wir noch über die Grenze nach Chile und nehmen die Fähre nach Puerto Fuy, wo wir dann erst in der Dämmerung ankommen. Einen Zeltplatz gibt es nicht und das Hotel ist uns zu teuer. Wir haben aber Glück: die Rezeptzionistin besorgt uns ein Baumhaus in Canopy Village und ihr Mann befördert uns in seinem Pick-Up dorthin. Hier verbringen wir die Weihnachtstage.

Canopy Village gehört zu dem Naturpark Huilo Huilo, in dem noch andere Attraktionen zu finden sind. Unter anderem zwei ausgefallene Hotels, ein Museum, eine Brauerei und ein Wildhege. Dazwischen endlose Holzstege.

Zwischen den Jahren passieren wir noch zwei weitere Seen. Am Vulkan Villarrica verabschieden wir uns vom Seengebiet und fahren zur Pazifikküste. Die Fahrt mit der kostenlosen Fähre über den Lago Budì spart uns etliche Kilometer auf lockerer Schotterpiste. Die Fähre bringt eine einheimische Familie über den See, die die letzten Einkäufe des Jahres in Puerto Dominguez gemacht hat. Wir werden exklusiv im Nirgendwo abgesetzt, von wo wir über ein privates Grundstück erstmal den offiziellen Weg suchen müssen. Dabei entdecken wir einen schönen Zeltplatz und bleiben über Silvester. Statt Feuerwerk gibt es Sternenhimmel.

Neujahr sind dann noch wenige aber anstrengende Kilometer nach Boco Budí zurückzulegen. Auf dem dortigen Zeltplatz ist schon halb Temuco vor uns eingetroffen. Die sehr engagierte Besitzerin sagt uns jedoch einen Platz für den Abend zu und wir begrüßen das neue Jahr in der Zwischenzeit im Restaurant über dem Strand.

Am letzten Reisetag fliegen wir dann mit Rückenwind über die Asphaltstrasse nach Temuco. Mein Rad bleibt dort. Das von Davina nehmen wir im Bus mit nach Santiago, von wo sie zurückfliegen wird. Vorher besuchen wir noch Valparaiso als Rucksacktouristen.

Bariloche-Temuco-500pts.gpx (960 km, 4 Wochen)