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Von Colonia in Uruguay nach Córdoba in Argentinien

Noch alleine bin ich in Uruguay an der Küste entlang bis Colonia gefahren. In diesem Teil geht es zu zweit weiter bis Totoral in Argentinien. Die Strecke ist nicht sehr touristisch und weitgehend plan. Für uns ein gute Gelegenheit, uns an das Zusammen-Reisen zu gewöhnen und Land und Leute in ihrem Alltag kennenzulernen. Wo touristische Infrastruktur existiert, ist diese zum Frühlingsanfang oft noch nicht geöffnet. In kleinen Ortschaften bietet man uns Platz auf Sport- oder Grillplätzen an. Weiter fahren wir dann durch die Region Córdoba.

Am Rio Uruguay entlang

Wir machen hier erste Erfahrungen mit öffentlichen Campingplätzen. Sie sind kostenlos, haben Grillplätze und Toilettenhäuschen, die aber oft sehr dreckig sind. Auf den privaten Campingplätzen ist das besser. Weil es noch Anfang Frühling ist, sind wir oft die einzigen Camper. Manchmal gibt es warmes Wasser (gerne auch mit dem Holzofen erzeugt), meistens wird kalt geduscht. In Las Cañas gibt es einen Laden auf dem Campingplatz. Das ist eher eine Ausnahme. Das heisse Wasser für die Mate und heisse Empanadas machen die kalte Dusche wieder wett.

Nach heissem Wasser zu fragen, ist allgemein üblich. Nur mit der Aussprache haben wir noch Probleme. Wir scheitern mehrfach an den einfachen Worten “hay aqua caliente?”. Aber mit der Thermoskanne in der Hand ist das dann nonverbal schnell geklärt. Da ist es an den Automaten einfacher, denen man nur Kleingeld füttern muss, damit sie heisses Wasser ausspucken.

Die Strassen in Uruguay sind hügelig, aber es gibt einen breiten Randstreifen für uns Radler. Es ist meist wenig Verkehr und alles ist entspannt. Wegen eines Treffens mit einer Radgruppe aus Buenos Aires wechseln wir trotzdem nach Argentinien und dann wieder zurück.

Bei den drei Grenzübergängen sind die Formalitäten einfach und die Stempel schnell in unseren Pässen. Allerdings gibt es Schwierigkeiten beim Passieren der drei Brücken. Die erste Brücke von Fray Bentos nach Gualeguaychú ist für Radfahrer gesperrt. Der Grenzbeamte hilft uns und fragt den Fahrer des nächsten PickUps. Es ist eine uruguayische Familie auf dem Weg zum Großeinkauf im Nachbarland. Wo wir einmal verladen sind, lassen wir uns auch gerne noch bis Gualeguaychú mitnehmen und bekommen für die 30 Kilometer Fahrt auch noch Schokowaffeln als Proviant.

Bei der zweiten Brücke nach Paysandú gibt es neben der Strasse einen Fuß- und Radweg. Dort ist aber am Sonntag so wenig los, dass wir den gar nicht benutzen müssen. Die dritte Brücke ist im Bau und nur zu bestimmten Zeiten passierbar. Deshalb nehmen wir nach Concordia ein Boot. Das stellt sich als ganz praktisch heraus, weil wir in Sichtweite eines Campingplatzes abgesetzt werden.

Entre Rios

Zwischen den Flüssen Uruguay und Paraná ist touristisches Niemandsland. In Villaguay bleiben wir auf dem öffentlichen Campingplatz an einem kleinen Flüsschen. Ein Angestellter der Stadt sorgt dort für Ordnung und kümmert sich um uns. Am Sonntagnachmittag ist in diesem kleinen Park an einem Flüsschen das halbe Dorf versammelt. Wir kommen in Kontakt mit den Mitgliedern eines Motorradclubs, die an unserer Reise interessiert sind. Sie erzählen uns von ihren Aktivitäten und schenken uns Aufkleber und eine Fahne, die wir direkt am Fahrrad montieren.

Sonst gibt es weder private noch öffentliche Campingplätze. Deshalb übernachten wir einmal an einer Tankstelle. Ein anderes Mal versuchen wir es mit wild zelten. Das ist aber in der Gegend nicht einfach, da alles landwirtschaftlich genutzt wird. Wir bleiben dann neben einer Schule, die verlassen scheint und weit ausserhalb jeder Ortschaft zwischen Feldern und Weiden liegt. Das ist aber keine gute Idee. Die Polizei macht uns darauf aufmerksam, dass das kein Ort zum Übernachten ist. Wir müssen zurück in die letzte Ortschaft, wo es glücklicherweise ein Hotel gibt.

Die bessere Strategie ist es, direkt eine Polizeistation aufzusuchen und dort nachzufragen. Das hat in der Folge auch zweimal gut geklappt. Auch in kleinen Ortschaften findet sich eine Polizeistation. Der Dorfpolizist sagte uns dann, dass wir auf dem Grill- bzw. Sportplatz bleiben können und informierte die zuständigen Leute, die uns dann das Toilettenhaus oder die Umkleidekabine öffneten. In Altos de Chipión kam abends sogar noch eine Streife vorbei, um uns einen anderen Platz anzubieten, falls es im Zelt zu kalt wäre.

Die Pampa

Von Paraná nach Santa Fe muss man durch einen Tunnel. Der ist normalerweise für Radfahrer gesperrt. Wie wir bei der Recherche gesehen haben, wurde er einmal für einen Radfahrer geöffnet. Das war eine Einheimischer, der durch diesen Tunnel nach einer Lateinamerika-Reise zurückgekehrt ist. So viel Aufwand wird für uns nicht gemacht. Aber wir finden wieder schnell eine Transportmöglichkeit.

Daniel, ein LKW-Fahrer aus Rosario nimmt uns mit. Er fährt gerade leer, um Fleisch abzuholen. Und nach dem Tunnel transportiert er uns gleich noch ein bisschen weiter, weil Santa Fe nicht unbedingt eine Attraktion sein soll. Wir laden die Räder erst fast hundert Kilometer weiter gut gekühlt aus. Die letzten 30 Kilometer bis San Francisco fahren wir noch selbst auf der Ruta 19. Das ist eigentlich eine Autobahn, aber Fahrradfahren ist nicht verboten und auch gar nicht so unangenehm. Der Randstreifen ist breit, hat allerdings lästige Querrinnen. Es ist völlig plan und mit Rückenwind ist die Strecke schnell geschafft.

Nach San Francisco steuern wir das erste touristische Ziel auf dieser Strecke an: Mar Chiquita, ein riesiger Salzsee. Sein Wasserspiegel schwankt über die Jahre stark. Das Wasser hat sich vor dem Strand einen Teil Land zurückgeholt. Die salzverkrusteten, toten Bäume geben ein bizarres Bild.

In Villa del Totoral macht eine mehrwöchige Prozession gerade Station im Ort. Vor der Kirche marschieren Vereine, Musikgruppen und Gaucho-Clubs auf. Sonst ist nicht viel los. Wir machen einen Ausflug in das nahe gelegene Jesús Maria und besichtigen dort die Jesuitenmission. Von der Weiterfahrt durch das Gebirge von Córdoba hält uns zunächst noch Montezumas Rache ab. Wir verdächtigen ein nicht durchgebratenes Spiegelei von einem selbst zubereiteten Abendessen.

Colonia-Totoral-500pts.gpx (1150 km, 4 Wochen)